Der 5. und 6. Tag von Fabians Ich-Suche
Fabian springt ja immer gerne auf aktuelle Trends. Deshalb hat er sich nach dem Stress der letzten Wochen auch auf Pilgerreise begeben und schreibt darüber jetzt auch ein Buch. Die ersten Auszüge veröffentlichen wir hier.ICH BLEIB DANN MAL HIER
Meine Ich-Suche auf der Fernseh-Couch
Der 5. Tag
Wieder sind die Rückenschmerzen stärker geworden. Vielleicht sollte ich mich zwischen den Etappen nicht so viel bewegen. Nachdem ich gestern den Stempel von meiner Tochter abgeholt hatte, bin ich noch zweimal in die Küche gegangen, und nachts sogar einmal kurz vors Haus. Das hat mir wohl nicht gut getan.Dafür habe ich es inzwischen mit der Ernährung raus. Wenn ich die ersten beiden Hansa-Dosen bereits vor dem Frühstück zu mir nehme, und die Salzstangen reduziere, läuft mittags die "Innere Reinigung" wie von selbst. Aber vielleicht haben diese ganzen Probleme auch nur was mit dem Älterwerden zu tun.
Es wird immer schwieriger, in Würde zu altern. Du kannst alle sozialen Kontakte verlieren, und einsam in deiner Wohnung auf das Ende warten; du kannst die letzten Jahren in einem minderklassigen Altenheim siechen; oder du hast ganz großes Pech, und bist mit Prinz Frederic verheiratet.
Die arme Zsa Zsa! Was sie wohl bei den Kapriolen ihres Mannes - ich nenne ihn mal so -, was sie wohl dabei empfindet? Bei ihrem Schicksal muss eine Alzheimer-Erkrankung wie eine Erlösung sein. Aber Gott straft sie mit kaputten Beinen, so dass sie handlungsunfähig, aber bei vollem Bewusstsein zuschauen muss, wie der kleine Frederic versucht, noch mal in die Schlagzeilen zu kommen.
Die Psychologie dieser Beziehung empfand ich schon immer als untersuchenswert. Seine Motivation ist schnell zu entlarven, aber ihre?
Plötzlich fällt mir ein, warum Jungens mit ihren Müttern schlafen wollen.
Ich bin derart überwältigt von meiner Erkenntnis, dass ich sofort einen Brief an Sigmund Freud aufsetze:
"Sehr geehrter Kollege,
ich will Ihnen erklären, warum wir mit unseren Müttern schlafen wollen. Sie werden staunen, wie unerotisch und unschuldig unsere Sehnsucht ist.
Sehen Sie: Wir reifen in ihre Leibern. Sie nähren uns dort und wir sind geschützt. Noch ist die Geburt unvorstellbar wie der Tod. Doch unabwendbar wie er ist sie auch.
Dann stossen sie uns aus, zertrennen die Nabelschnur. Nur ein kleiner Rest bleibt uns zurück, wird trocken und grau und fällt dann ab. Und mit ihm die letzte Hoffnung auf Rückkehr.
Doch Halt! Da blieb uns ja doch noch ein Stück! Und es ist rosig und warm! Was, wenn wir es dorthin brächten, wo die Nabelschnur aus dem Mutterleib fiel? Könnten wir uns wieder vereinen? Wäre es doch nur ein Stückelchen länger!
Wir ziehen daran und drücken und zupfen und da schau an: Es wächst!
Lieber Kollege, die erste Erregung unseres Lebens ist die Hoffnung, zurückkehren zu können in den Mutterleib. Wollen Sie das bitte bei Ihren weiteren Arbeiten berücksichtigen!
Mit kollegialen Grüßen,
Lau."
Vor ein paar Wochen entdeckten Polizisten an einer Strasse in Los Angeles Prinz Frederic in einem Rolls Royce, nackt und ans Lenkrad gefesselt. Zur Erklärung gab er an, drei recht attraktive Damen hätten ihm Lust auf Sex signalisiert, ihn dann aber in dieser demütigenden Position zurück gelassen.
Ich kenne solcherlei Träume, wache aber danach immer in meinem Bett auf, zwar nackt, aber meistens nicht gefesselt.
Der 6. Tag
Ich mache Fortschritte. Ganz ohne Frühstück vertrage ich Hansa-Bier und Salzstangen noch besser und an die Rückenschmerzen habe ich mich auch gewöhnt. Den Fernseher schalte ich gar nicht mehr aus.Allerdings beginnt mir das Bier zum Hals raus zu hängen, und ich überlege, ob ich wieder auf Weisswein umsteige, meine Droge ...
Ich lasse den Gedanken fallen. Weisswein wirkt immer sehr inspirierend auf mich, und könnte mich derzeit von meiner eigentlichen Mission ablenken.
Die Diskussion, ob Drogen bewußtseinserweiternd wirken, oder nur dumm im Kopp machen, hat mich nie interessiert. Die der Meinung sind, sie machten dumm im Kopp, haben in den seltensten Fällen selbst welche ausprobiert. Diejenigen, die von der bewußtseinserweiternden Wirkung schwärmen, haben meist mehr Erfahrung; aber man weiß ja nie, ob die nicht inzwischen dumm im Kopp geworden sind.
Mich haben seit jeher nur bewußtseinseinengende Drogen interessiert. Schon zu Schulzeiten hatte mir meine Hochbegabung immer mehr zu schaffen gemacht. Und auch beim obligaten IQ - Test für die Aufnahme bei MENSA DEUTSCHLAND war ich mehrfach eingeschlafen. Also versuchte ich mein Hirn mit verschiedenen Substanzen auf das Niveau eines Einser-Abiturienten runter zu dimmen. Es klappte besser als erwartet: Nach der Elften flog ich von der Schule.
Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich den Sextanern erklärt hatte, Stimmbruch würde durch Zungenküsse übertragen, und sie dann gar nicht mehr aus den Gebüschen raus wollten.
Jedenfalls müsste es heute ein Leichtes sein, meine Degeneration zu vollenden. So viele haben es ja schon geschafft, und geniessen ihr Dasein auf dem Sofa als schlichter Zellhaufen, der aufnimmt und unter sich lässt, ohne permanent eingreifen zu wollen. Soweit will ich es auch bringen.
Die Nobelpreise sind vergeben.
Scheisse! Wieder nicht dabei ...
Ich finde, meine Ödipustheoriereform von gestern hat das Zeug, die Welt der Psychoanalyse aus den Angeln zu heben. Aber zu spät. Vielleicht nächstes Jahr. Al hat ihn sich wirklich auch verdient.
Erkenntnis des Tages: Es wird nicht lange dauern, und jeder wird erkennen, dass Al Gore mit seinen Prophezeiungen von den Folgen des Klimawandels recht hatte!
Ich werde mir ein paar Grundstücke am Nordrand von Dortmund sichern. In hundert Jahren werden sie das Zehnfache wert sein, vorausgesetzt mir wird bis dahin der Blick aufs Meer nicht verbaut.
(wird fortgesetzt)
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Der 5. und 6. Tag von Fabians Ich-Suche
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sehr komisch"ich bleib dann mal hier"
habe mich koestlich amusiert ueber dieses Konzept und den Kontrast. die Idee Grundstuecke in Dortmund zu kaufen ist auch inspiriert! (Lexi)
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