ZUR WAHL IN ÖSTERREICH
EINE FRAGE DES SOUNDS
Die nationalistische und ausländerfeindliche Gewichtung des Wahlergebnisses in Österreich - von vielen gerne, aber verharmlosend "Rechtsruck" genannt - ist nicht nur eine politische Konsequenz, auch eine sprachliche. Für den Parteigründer mit schmaler Phantasie gibt es in diesem Land keine Möglichkeit, das Ö im Parteikürzel auszulassen. Und "Ö" ist der Laut des Unentschlossenen. Von ihm geht keine Gefahr aus, denn "Ö" ist nicht ein Laut des Nachdenklichen, sondern der des Zauderers. Auf ein Ööh ... folgt kein Entscheid, nur vage Theorie. Nach Ööhh ... erwartet niemand eine Pointe, bestenfalls einen Versuch.
NPD klingt im schlechtesten Sinne entschlossen, nämlich stoisch. Schöpfte Gott heute Ziege und Schaf, liesse er sie nicht Meck, meck, määh klingen, sondern NPD.
Jörg Haider hätte sich die Mühe sparen können: BZÖ klingt harmlos, nach einem österreichischen Verkehrsbetrieb etwa oder dem Verband der Zeitungsverleger. NPD aber klänge in der österreichischen Adaption noch harmloser, probieren Sie es einmal aus: öN Pö Dö.
Bei Völkerwahlen geht es nicht ums Programm, es geht ums Image, um Sounds und Bilder. In Bayern war es der Stoiber-Ton, seine Muschi und auf der Gegenseite das Bild von Lack und Leder, was die christlich-soziale Monarchie stürzen ließ. Und auch in Amerika wird ein Bild John McCain die Präsidentschaft kosten: Nicht das Bild eines Mannes, dem in Vietnam die Schulter gebrochen wurde, sondern das eines Mannes, der seitdem nicht mehr winken kann. Ein amerikanischer Präsident, der nicht winkt? Dann doch lieber ein Schwarzer. So geht Demokratie; vor allem wenn die Schwester Demagogie heisst.
Apropos Lafontaine: Die echte Chance hat er, wenn er sich umbenennt, Löföntön, und seine Reden reduziert auf das allgemein verständliche und leicht wiederholbare, ohne aber die eigentliche Botschaft zu verhehlen: Törrööööh!
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