Ich & Schmidt (ohne Pocher)

Frohes, neues Jahr!

Harald Schmidt sagte mir vor zehn Jahren einmal, als wir zusammen in einer Künstlergarderobe saßen: "Mein Lieber ..." Wobei ich nicht sicher war, ob er tatsächlich mich meinte, denn im Raum waren außerdem anwesend: Jochen Malmsheimer, Frank Goosen, ein paar, an die ich mich nicht mehr erinnere, und Lioba Albus, die er aber nicht gemeint haben kann, weil er sie zweifelsfrei mit 'Meine Liebe ...' angesprochen hätte. Harald Schmidt aber sagte: "Mein Lieber ...", und er sagte es nicht explizit in meine Richtung, aber auch nicht in eine andere Richtung, er sagte es mehr in den Raum, wie zu einem Publikum.

Ich glaube, wenn sich mehr als eine Person in einem Raum befindet, spricht Harald Schmidt immer wie zu einem Publikum. Und wenn man sich zusammen mit Harald Schmidt in einem Raum befindet, befindet sich ja bereits mehr als eine Person in einem Raum, und in diesem Fall waren wir ja sogar noch mehr.
Er sprach also in den Raum wie zu einem Publikum: "Mein Lieber, ..." Und dann prophetisch: "Nach der Ironie kommt das Pathos."
Ich konnte nicht näher darauf eingehen, denn dann gingen wir alle raus, Schmidt, Malmsheimer, Goosen, Lioba Albus und ich, nur die anderen, an die ich mich mehr erinnern kann, blieben drin, weshalb ich mich nicht mehr an sie erinnern kann. Aber alle, an die ich mich noch erinnern kann, gingen raus, d.h. wir gingen in einen anderen Raum, und hier war wirklich ein Publikum, und da machten wir alle zusammen dann eine Show, wie Harald Schmidt jetzt mit Oliver Pocher, nur eben damals ohne Oliver Pocher1. Das Publikum war zufrieden, der Applaus machte mich nachdenklich, aber Schmidts Satz machte mich nachher im Hotel noch nachdenklicher2: Nach der Ironie kommt das Pathos.

Ich aber wollte nicht so lange warten: Warum sollte nicht mit der Ironie das Pathos kommen? Wie auch mit Pathos die Besserwisserei nicht fernbleiben muss, oder die Liebe, und mit der Liebe der Schmerz kommen kann oder das Glück, oder der Schmerz und das Glück, und wenns ganz gut läuft auch ein paar Kinder (mein Glück). Wie auch Musik kommen kann, wann sie will, und Regen oder bislang unbekannte Verwandte aus Übersee, oder eben auch mal alles gleichzeitig, wozu eine Reihenfolge?

Kollege Markus Freise, der hier bislang für das Pathos zuständig war, verabschiedet sich. Es war für uns beide eine Menge Arbeit und eine Menge Freude, und: Danke, denn alles das hätte es ohne ihn nicht gegeben: Weder die Arbeit hier, noch die Freude daran. Und ohne ihn würde es auch nicht weiter gehen. Geht es aber, zwar ohne ihn (schade), aber weiter.

Bei ihm geht es jetzt mit anderer Arbeit weiter, und, wie ich ihm wünsche, mit genauso viel Freude.
Ich werde gerne zuschauen3.

Und hier kommt ab jetzt alles von mir - und zwar alles. Für alle, die mich lieben, und für die, die es weiterhin zumindest versuchen sollten.

Frohes, neues Jahr!

1) Ich habe auch einmal eine Show mit Oliver Pocher zusammen gemacht, versehentlich. Es war in einem Frisiersalon, deshalb gab es auch keine Künstlergarderobe. Als ich auf die Bühne ging, entdeckte ich, dass er im Publikum sass. Ich war eben zuerst dran, und er war dann zum Schluss als Stargast dran. Leider kamen wir nicht ins Gespräch - vielleicht lag es an der fehlenden Künstlergarderobe, vielleicht an etwas anderem. Es hätte mich nämlich interessiert, was seiner Meinung nach nach der Ironie kommt.

2) Ich weiß, dass man "nachdenklich" nicht steigern kann, aber ich kann es.

3) Alle, die auch gerne zuschauen wollen, hier klicken.
Dieser Eintrag ist vom 21.01.2008 und gehört zu: Die Kollegen ...
4 Kommentare (s.u.) wurden bislang dazu hinterlassen. ... Trackback-Link

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Nach dem Pathos kommt das Bier.

von K F M

huhu. ich sitze in der tuba, war in bonn, habe noch 5% akku und trinke einen whiskey. 08 ist online. das finde ich gut. und das soll mein kommentar sein: genießt euch.

von stefan aka helge

Hallo, Herr Lau!

Aber sicher werden wir weiterhin ernsthaft daran arbeiten, Sie zu lieben!
Jeden Tag ein bisschen mehr ;-)

Angelika

von Angelika

Vielen Dank für die Blumen und die tolle Zeit.

von Markus Freise

Fabian Lau: Neues vom Besserwisser